Vor ein paar Monaten vereinbarten Thomas Imthurn und ich, dass wir im Sommer miteinander Richtung Norden fliegen möchten, am liebsten zum Nordkap. Wir reservierten also frühzeitig vom 10. bis 24. Juli 2022 einen Zeitblock dafür.
Die kürzeste Distanz, „Luftlinie“ Speck-Nordkap, beträgt 1’503 NM oder 2’784 Km.

Für die Reise benötigte ich 32h34, wir starteten am 10. Juli und ich war am Montag, 18. Juli wieder zurück. Thomas am 19. Juli, weil er noch einen Freund in Deutschland besuchte.

Absolvierte Flüge

Speck-Bielefeld, 2h55 (1)

Bielefeld-Kopenhagen/Roskilde, 2h27 (2)

Kopenhagen/Roskilde-Borlänge, 3h19 (3)

Borlänge-Umea, 2h17 (4)

Umea-Alta, 3h26 (5)

Alta-Honningsvag, 0h57, (6)

Honningsvag-Alta, 1h36, (7)

Alta-Kiruna, 1h14 (8)

Kiruna-Bodö, 2h07 (9)

Bodö-Oppdal, 2h57 (10)

Oppdal-Kjeller, 1h39 (11) (2×25 Min nach Rakkestad und zurück für Fuel)

Kjeller-Lübeck, 3h15 (12)

Lübeck-Speck, 3h36

Thomas startete gleichzeitig ab Langenthal, ich ab der Speck. Wettermässig erwarteten wir gutes Flugwetter. Doch die erste Überraschung liess nicht lange auf sich warten. Bielefeld erwartete uns mit Regenschauern, ziemlich starkem Wind und einer Sicht von 2-5 km.

Für Schlechtwetterfotos gilt grundsätzlich, dass nie im schlimmsten Moment fotografiert wird! Logisch, oder?

Im Norden von Bielefeld sollte das Wetter besser sein. Nach dem Auftanken und einem Kaffee mit (halbem!) Kuchen geht es weiter nach Kopenhagen Roskilde. (Gestrichelte Linie: Alternate)

Tatsächlich, das Wetter wird schnell besser. Der Stress ist vorbei, wir müssen nicht zurück nach Bielefeld und können weiter fliegen!

Die freundliche Dame auf der Informationsfrequenz fragte mich, ob ich eventuell Lust hätte, nach links zu drehen, um die Stadt Hamburg zu überfliegen. Es gibt Angebote im Leben, die darf man nicht ausschlagen, dieses gehörte dazu! 😉

Das Wetter wird immer schöner! Übernachtung in Kopenhagen/Roskilde, Flugplanung nach Borlänge.

Immer wieder eindrückliche Regenschauer, aber alles gut umfliegbar!

Ohne Diskussion mit Gewerkschaftsmitgliedern zweites Langstrecken-Leg an diesem Tag gemacht: Von Borlänge nach Umea!

IKEA?! Kommt mir irgendwie bekannt vor. Turning Final Umea.

Stadt Umea, am nächsten Morgen nach dem Start Richtung Alta.

Alta verspricht schönes Wetter! Nichts wie hin, diese Stadt ist der ideale Ausgangspunkt für das Nordkap, ob mit Flieger oder Bus(!) 😉

Interessante Wetterbedingungen. Windpark im Bau, eindrücklich!

Viel Einsamkeit unterwegs! Notlandung? Ob es da wohl Bären gibt? Wenn ich da auf der Strasse landen würde, wie lange würde es wohl dauern, bis jemand vorbei käme? Was ist eigentlich der Unterschied, ob ich hier, über die Alpen oder über das Meer fliege?

Motor läuft wunderbar, alle Werte sind im grünen Bereich!

Alta, schönstes Wetter erwartet uns! Join Lefthandbase, sagt der Mann auf dem Tower!

Lefthandbase Piste 29. Hier bleiben wir, planen morgen zum Nordkap zu fliegen.

Das Bier schmeckt wunderbar! Trotzdem trinke ich nicht soviel, dass ich den roten „sie befinden sich hier“ Punkt konsultieren muss 🙂 !

Flugplanung Alta nach Honningsvag (Alternate: Hammerfest), Umweg über das Nordkap schon eingeplant!

Bilderbuchwetter!

Einfach fantastisch, da ist es ja, das Nordkap! Sehr emotional! Wir sind da!

Big Brother is watching you! WhatsApp von einem Freund in Südfrankreich: „Schön, hast du das Ziel schon erreicht!“

Zwei Vollkreise genügen: Eine Fotosession mit dem Handy und eine mit der Kamera!

Anflug Piste 08 Honningsvag von Thomas mit seiner Pioneer 3 / HB-YTI

Diese Bilder mussten sein: Wir haben unser Ziel erreicht, wir haben das Nordkap umrundet und sind jetzt in Honningsvag und machen die Flieger für den Nightstop bereit.

Glück gehabt: Am Flughafen hatte es noch ein Mietauto, nun besichtigen wir das Nordkap auch noch auf dem Landweg.

Auf der ganzen Insel soll es ca. 5’000 Rentiere geben. Sie werden von den Ureinwohnern, den Samen, begleitet. Es wird erzählt, dass sie im Herbst aufs Festland rüber schwimmen!

Der Globus versinnbildlicht den globalen Treffpunkt auf dem Nordkap, an dem sich Menschen aus der ganzen Welt begegnen.

Denkmal für die Kinder der Welt.

Der Europäische Fernwanderweg E1 führt auf ca. 8.000 km Länge durch sieben europäische Staaten. Er beginnt am Nordkap in Norwegen und führt über Finnland, Schweden, Dänemark, Deutschland und die Schweiz bis nach Mittelitalien. Das geplante südliche Ende ist das Capo Passero – auf Sizilien wurde 2016 ein erstes Wegstück eröffnet.

Kaffee, Kuchen und Zigarre in Skarsvag. Man beachte die dunklen Wolken im Hintergrund!

Ein Kreuzfahrtschiff hält an. Nur eine handvoll Touristen steigen aus und besuchen den Ort.

Die erste und einzige Zigarre in dieser Woche und ich konnte sie nicht mal fertig rauchen! Wir bekamen eine eindrückliche Lektion, wie schnell das Wetter sich hier ändern kann! Auf unserer Fahrt zum Hotel regnete es so stark, dass ich mir ein paarmal überlegte, ob ich jetzt anhalten soll um später wieder einen besseren Durchblick durch die Frontscheibe zu haben.

Übernachtung in Honningsvag (Bild vom Abflug am nächsten Morgen)

Beim Spaziergang nach dem Nachtessen wurde mir bewusst, dass ich heute wieder einmal „etwas in meinem Leben zum ersten Mal gemacht habe“ ein Privileg!

Am nächsten Morgen war der Rückflug nach Alta vorgesehen, wegen der schlechten Wettervorhersage der Küste entlang geplant.

Anspruchsvolle Sichtverhältnisse. Was ist schon wieder die gesetzlich vorgeschriebene Minimalflughöhe über unbewohntem Gebiet? Wir mussten sie zeitweise ausnützen und auf 500 Fuss runter!

Eine der vielen Lachszuchten.

Mit ca. 30 Minuten Verspätung auf unserem Flugplan erreichten wir schlussendlich Alta doch noch. Überraschend und eindrücklich, wie Polaris-Info uns per Funk fast immer erreichen konnte. Nachdem unsere flugplanmässige Zeit langsam abgelaufen war, fragten sie mich höflich, ob ich den Flugplan verlängern möchte. Einmal mehr: Habe freundlich zugesagt!

Eigentlich wäre unser Ziel die Lofoten gewesen. Wir haben umgeplant. Flug nach Kiruna versprach uns passableres Wetter.

Kiruna, die Stadt wird umgesiedelt: Das schwedische Kiruna mit seinen 18.000 Einwohnern muss einer Eisenerzmine weichen.

Der Taxifahrer ist auch Spitexpfleger, oder umgekehrt? Thomas auf dem Notarztsitz und ich auf dem Pflegersitz.

Unser Hotel. Alles Einzelzimmer für die Bergarbeiter und einzelne Touristen. Speziell: Jeder hat sein Zimmer mit Bett, kleinem Tisch, Stuhl, WC, Dusche und…….

..einen Kühlschrank mit einem dem Zimmer zugewiesenen Fach. Unsere sind leer! Im ganzen Haus gilt: „Please put your shoes off!“ Alles ist blitzsauber, eigentlich eine vernünftige Regelung.

Unser Ziel, die Lofoten anzufliegen, haben wir noch nicht aufgegeben. Thomas erwähnt, dass das Eisenerz mit der Eisenbahn (heisst sie darum Eisenbahn?) an die norwegische Küste zum Verschiffen gefahren wird und es demzufolge möglich sein sollte, eine Schlechtwetterroute auf die Lofoten zu finden. Also: Flugplan erstellen mit dem Ziel, die Eisenbahnlinie und Autostrasse immer auf der linken Seite zu haben.

Eine Stunde vor dem Abflug rief uns der Zoll an und informierte uns, dass wir von Schweden nicht direkt auf die Lofoten fliegen dürfen. Umplanung: New Destination Bodö!

….immer schön der Eisenbahn nach!!

„Thomas, da vorne wird es eng!“…….

…..da mussten wir beinahe umkehren!!

Schwieriges Wetter, immer wieder!

Hafen von Bodö

Fly overhead and join left downwind for runway 25.

Turning final 25 Bodö, good to be here! Routing war ein guter Vorschlag, gratuliere Thomas!

Am liebsten wäre ich im Flugzeug sitzen geblieben, so hat es geregnet. Mit dem Taxi ins Hotel Bodö und dann Nachtessen. Überraschung: Das bestellte Thy-Chicken war eine Pizza und die hübsche und hochmotivierte Serviertochter entschuldigte sich: Mein Kollege bringt ihnen dann das Bier, ich bin noch nicht 18!

Die Lofoten müssen wir wettermässig vergessen. Wir machen die Flugplanung nach Oppdal mit Alternate Trondheim.

Am nächsten Morgen rufe ich die Tel-Nummer an, die mir in Alta gegeben wurde, „das ist ein netter Kerl, der besorgt euch sicher Mogas“.

So war es, Bjorn Skogoy holte uns im Hotel ab, hatte fünf 20-L Kanister dabei und fuhr mit uns zur Tankstelle. Schweizer Schockolade war sein Lohn, sonst wollte er nichts entgegennehmen! „Wenn ich mit meiner Cessna mal in der Schweiz bin und etwas brauche, ruf ich dich auch an!“

Wir verabschiedeten uns, nicht ohne uns vorher die Telefonnummer von Otto Volan zu geben. Bjorn ruft ihn auch gleich an und klärt ihn über die kommenden Schweizer auf.

Mässiges Wetter begleitete uns nach Oppdal. Otto war am Funk, informierte uns über die Pistenrichtung und den Wind. 1’850 Fuss, relativ kühl, 12 Grad C.

Oppdal Flugplatzgebäude, soo schön!!

Otto Volan sollte eigentlich Otto Meeran heissen. Er ist pensionierter Sea-Captain, hat weltweit sein halbes Leben, nämlich immer 8 Wochen auf dem Schiff, 8 Wochen zuhause, verbracht. Speditiv können wir unsere Flieger mit Mogas auffüllen……

….bekommen einen Kaffee und Biskuit in der Fliegerstube……

….und werden ins Hotel gefahren.

Nachtessen und gut behütet tief schlafen war garantiert. (Bild in meinem Zimmer 🙂 )

Entgegen der Abmachung am Check-In am Vorabend, dass es ab 09h00 Frühstück gibt mussten wir nüchtern zum Flugplatz marschieren. Was wir noch nicht wussten, dass das Mittagessen auch ausfallen wird.

Blick zurück nach dem Abflug von Oppdal nach Kjeller.

Flugplatz Kjeller wurde uns als sehr guter General Aviation Flugplatz empfohlen. Leider gab es wieder einmal ohne Sterling-BP Karte kein Fuel. Die graue Eminenz im hintersten Hangar, die es auf jedem Flugplatz gibt, hat uns dann gesagt, dass wir in Rakkstad Mogas mit der Kreditkarte beziehen können. Also: Ins Flugzeug und 25 Min. Richtung Süden weiterfliegen, tanken und wieder zurückfliegen nach Kjeller. Landung 14h35, reicht für den Weiterflug um 15h nach Lübeck, aber ohne Mittagessen! Als Ersatz für die fehlenden Mahlzeiten teilten wir uns eine Ovomaltine-Schokolade!

Warum wieder zurück nach Kjeller? Wir hatten für unseren Flug nach Lübeck einen Flugplan für 15h00 aufgegeben, dies mussten wir wegen der Auflage vom Zoll mindestens 4 Stunden vorher tun.

Ein wettermässig entspannter Flug erwart uns. Flight Level 55 all the way down!

Rechts immer viel Wasser, keine Turbulenzen…….

….Schwimmweste anziehen!

Insel Femo

….und natürlich braucht es da permanent Fähren!

Landung dann ca. 18h20 in Lübeck. Auftanken, Taxi ins Hotel und zum Nachtessen! Endlich!

Fast vergessen, hier wird es ja in der Nacht wieder dunkel!

Am nächsten Morgen Flugplan in die Speck zurück, Abflug nach Frühstück, bezahlen von Fuel, Landetaxe und Abstellgebühr um 10h30.

Der Flug bei schönstem und ruhigem Wetter mit Autopilot auf FL 65 ist entspannend!

Flugplatz Wasserkuppe, die Wiege des Segelfluges in Deutschland.

Aus Wikipedia: Die Wasserkuppe wird seit 1911 als Fluggelände genutzt, als erstmals Darmstädter Schüler Versuche mit selbst gebauten Gleitern durchführten. 1922 gründete Arthur Martens die Martens Fliegerschule. In dieser Zeit fanden alle fliegerischen Aktivitäten wie die Rhönwettbewerbe in der Nähe des Gipfels der Wasserkuppe statt. Nach der Machtergreifung der Nationalsozialistenübernahm der paramilitärische Deutsche Luftsportverband und 1937 das Nationalsozialistische Fliegerkorps als Reichssegelflugschule den Flugplatz und errichtet größere Gebäude für die Unterbringung und Ausbildung der Flugschüler. Es wurde aber keine befestigte Start-Landebahn errichtet.

Die Schneise für die Start- und Landebahnwurde im Winter 1958/59 in den Wald geschlagen. Nach Planier- und Befestigungsarbeiten wurde die Bahn im Jahre 1962 fertiggestellt. Die Erdarbeiten mit schwerem Gerät führten das 14. amerikanische Panzerregiment aus Fuldaund ein Bundeswehrbataillon aus Hammelburg durch. Im Jahre 1981 wurde die Bahn auf einer Länge von 400 Metern asphaltiert. Im Jahre 1997 wurde sie saniert und verlängert, um die Voraussetzungen für die luftrechtlichen Genehmigungen zu erfüllen. Durch Verlegung von Drainagen wurden im Jahre 2005 Feuchtstellen im Bereich des Flugfeldes beseitigt. 2006 wurde der Zuschauerbereich gepflastert und die Rollwegführung zur Tankstelle verbessert.

Im Jahr 2012 entstand ein neues Flugplatzgebäude mit Schulungsräumen und Büros für die Fliegerschule, Hangars für die Motorflugzeuge und einem neuen Turm. Für Besucher bietet es eine Aussichtsplattform und ein Bistro.

Der „Monte Kali“ ist einer der ungewöhnlichsten Berge in Deutschland. Er verdankt seine Entstehung dem Kalibergbau, der die Region im Werratal um Heringen (Werra) seit über 125 Jahren prägt.
Auf den Berg werden die Bestandteile des unter Tage geförderten Rohsalzes gebracht, die mit abgebaut werden müssen, um über Tage die begehrten Kalidüngemittel herstellen zu können. So sind seit 1976 über 236 Millionen Tonnen Salz aufgeschüttet worden. Solange der Betrieb im Kaliwerk Wintershall läuft, wächst der „Monte Kali“ stündlich um 1.000 Tonnen bzw. Tag für Tag um etwa 24.000 Tonnen an.

(Siehe auch Wikipedia)

Main

Stehender Lastwagenstau auf der rechten Spur 🙁 .

Wieder zuhause, die beiden Flugzeuge haben es gut gemacht, keine technischen Probleme!
Aber ich muss sehr wahrscheinlich nochmals nach Norwegen: Ich habe die Mitternachtssonne nicht gesehen und war nicht auf den Lofoten!